Gewohnheiten - Freund oder Feind?

Tim Dapprich |

Über den Autor:

Maarten ist Gründer und Coach der University of Gainsville, einem Online Coaching-Programm für gesunde Ernährung. Gleichzeitg ist er als Coach bei CrossFit Nordlicht aktiv. isaac und Ernährungsexperte Maarten, selbst großer Verfechter der Idee, Insektenproteine in Sportnahrung zu integrieren, stehen schon lange im regen Austausch. Durch Gastbeiträge von Maarten auf dem isaac Blog möchten wir Dir gemeinsam Tipps zu gesunder, ausgewogener Ernährung geben. Mehr über Maarten und sein Online-Ernährungscoaching erfahrt ihr unter www.UniversityOfGainsville.com/coaching.

Gewohnheiten - Freund oder Feind?

Wenn wir über Gewohnheiten reden, geht es meist direkt um negative Dinge: Rauchen, vorm Fernseher einschlafen, Toastbrot frühstücken. Alles Dinge, von denen einige Leute behaupten, sie könnten nie drauf verzichten. Viel seltener hört man, dass jemand sagt, er könnte nicht auf seinen Rosenkohl, seine 8 Stunden Schlaf oder auf genug Eiweiß verzichten. Wie kann das sein?

Gewohnheiten als Entschuldigung

Dass wir immer nur von negativen Gewohnheiten hören, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie gern als Ausreden für schlechtes Verhalten genutzt werden.

„Ich würde ja gern abnehmen, aber Chips gehören für mich abends auf dem Sofa dazu!“

„Am Sonntag koche ich nicht selbst. Bei uns ist es Tradition, Pizza zu bestellen.“

„Vor 22 Uhr ins Bett? Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“

Solche Ausreden hat jeder schon mal gehört oder auch selbst genutzt – sie werden von den meisten Menschen akzeptiert. Es ist gesellschaftlich also kein Problem, ungesunde Gewohnheiten zu haben. Natürlich haben alle das Wissen im Hinterkopf, dass man weniger Fast Food und mehr Gemüse essen, weniger netflixen und mehr trainieren oder auch weniger durch Instagram scrollen und stattdessen früher schlafen sollte, um langfristig gesund zu sein.

Kleinvieh macht auch Mist

Nur ist es aber leider so, dass viele, kleine schlechte Angewohnheiten sich über den Tag aufsummieren und Deine Ziele wie allgemeine Gesundheit, Fettabbau oder Muskelaufbau ganz gewaltig untergraben können. Zu viel Action vorm Schlafengehen (Streit, Sport, Social Media oder TV) führen dazu, dass Dein Körper weniger der Hormone produziert, die Dich schläfrig machen und für einen erholsamen Schlaf sorgen. Wenn Du zu wenig schläfst, hast Du einen erhöhten Stresshormonlevel, Dein Körper schwemmt auf und Dein Hungergefühl steigt. Am nächsten Tag isst Du deshalb mehr als wenn Du ausgeschlafen gewesen wärst und die Wahl fällt eher zu zuckrigen Lebensmitteln oder Fast Food. Fast Food verdrängt wiederum gesunde Alternativen wie Gemüse und Proteinquellen vom Teller. Deswegen fehlen Dir Nährstoffe, um den Stoffwechsel optimal am Laufen zu halten und den Körper zu regenerieren oder um die Muskeln zu erhalten, die Du Dir hart erarbeitet hast. Wie Du siehst, greifen viele vermeintlich kleine Punkte ineinander. Da ist es doch eigentlich kein Wunder, wenn sich Dein Körper nur langsam verändert oder Du sogar Rückschritte machst.

Was ist die Alternative?

Gesunde Gewohnheiten

Jetzt, wo wir wissen, dass schon kleine Dinge einen Unterschied machen können, ist es viel leichter, auch positive Veränderungen herbeizuführen! Wo ist aktuell Deine größte Baustelle? Brennt Dir auf dem Herd alles – sogar Wasser! – an? Dann wäre ein Crash-Kurs in Sachen Kochen eine gute Idee. Schläfst Du pro Nacht nur 4 Stunden und lebst tagsüber von Espresso? Dann versuch in den nächsten Wochen, jede Nacht 4:15 Stunden zu schlafen. Das einzige Gemüse, das Du isst, sind die Gurken auf dem Hamburger? Versuch, ein paar Karotten und Paprikastreifen im Ofen zu backen und als Beilage zu essen. Wichtig ist dabei vor allem, dass Du folgende Punkte beachtest:

1. Klein anfangen. Wenn Dich die Aufgabe überfordert, wirst Du sie nicht lang durchhalten und sie wird nie zur Gewohnheit.

2. Regelmäßigkeit. Lege fest wie oft Du die neue Gewohnheiten angehen willst: monatlich, drei Mal pro Woche, einmal täglich?

3. Langer Atem. Schlechte Gewohnheiten sind nicht über Nacht entstanden und lassen sich auch nicht über Nacht durch gesunde ersetzen.

4. Schritt für Schritt. Mach nicht den gleichen Fehler wie die die Regierung und reiß alle Autobahnen gleichzeitig auf. Konzentrier Dich auf eine Sache und erhöhe die Komplexität bzw. wechsle die Aufgabe erst, wenn die erste zur Gewohnheit geworden ist.

5. Erfolge feiern. Du solltest Dir regelmäßig vor Augen führen, wie weit Du schon gekommen bist und wie positiv sich Dein Verhalten und Dein Leben verändert haben.

Was hält Dich jetzt noch auf?

Gesunde Gewohnheiten sind oftmals nicht sexy

Leider ist es so, dass „schlechte“ Gewohnheiten viel eher auf Akzeptanz stoßen als gesunde Gewohnheiten. Du glaubst uns nicht? Dann trink bei der nächsten Grillparty nur Apfelschorle oder bestell dir in der Pizzeria einen Salat.

Ein Teil des Problems ist, dass sich Leute durch Deine gesunden Gewohnheiten eingeschüchtert fühlen. Ihnen wird indirekt vor Augen geführt, dass ihr Verhalten ungesünder ist als Deins – auch wenn Dir nichts ferner liegt als jemandem ein schlechtes Gefühl geben zu wollen. Deswegen wird es lieber als „normal“ bezeichnet, sich wenig zu bewegen, unausgewogen zu essen und andere ungesunde Gewohnheiten zu haben. Derjenige, der Brokkoli und Rührei isst, vor der Arbeit Sport macht oder mal eine Einladung ablehnt, um Schlaf nachholen zu können, wird aus Bequemlichkeit lieber als „extrem“ abgestempelt.

Dabei sollst Du gar nicht extrem werden. Du sollst Deine sozialen Kontakte nicht vernachlässigen, nur um alle Mahlzeiten haargenau kontrollieren zu können. Das wäre wirklich nicht gesund. Aber geplantes, maßvolles Verhalten und gesunde Gewohnheiten sollten nie Grund dafür sein, dass Du Dich schämst oder von der Gruppe unter Druck setzen lässt.

Aufklärung und Gleichgesinnte

Erklär Deinem Umfeld, warum Du tust, was Du tust, ohne Leute bekehren zu wollen oder ihr Verhalten als schlecht darzustellen. Umgib Dich außerdem mit Gleichgesinnten, für die Deine Gewohnheiten ganz normal und lobenswert sind.

Du wirst sehen, dass die vielen kleinen Dinge nach und nach dafür sorgen, dass Du immer mehr Rückenwind bekommst und Dein Erfolg nicht mehr auf sich warten lässt!