Die Herstellung von Insekten als Lebensmittel

"Wo kommen die Insekten, die wir essen, eigentlich her?"

Diese Frage kommt im Zusammenhang mit dem zunehmenden Angebot dieses innovativen Nahrungsmittels vermehrt auf. Wo Insekten für den menschlichen Verzehr herkommen, wie sie gezüchtet werden und ob ihre Haltung und Tötung artgerecht abläuft, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

So funktioniert die Aufzucht von Insekten als Lebensmittel

Die Länder, in denen Insekten traditionell seit Jahrhunderten gegessen werden und auf den regulären Speiseplan gehören, haben eine Sache gemeinsam: es ist dort meistens sehr warm. Deshalb fühlen sich Insekten als wechselwarme Tiere, die die Temperatur ihrer Umgebung annehmen, dort sehr wohl und verbreiten sich stark. Für die Menschen ist es ein Leichtes, sie zu sammeln und zu fangen. Insekten sind dort eine stets verfügbare und verbreitete Nahrungsquelle.

In kälteren, europäischen Breitengraden sind die Insekten tendenziell kleiner und weniger vielfältig. Hier herrschen Bedingungen, die den Zugang zu anderen natürlichen Lebensmitteln leichter machen. Insekten haben deshalb keine große Rolle gespielt. Bis heute.

Das ändert sich nun. Seit 2018 ist der Verkauf von einigen Insektenarten zum menschlichen Verzehr in Europa erlaubt. Weil die Insekten nicht aus der Natur gefangen werden können und sollten, beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der Aufzucht und der Verarbeitung. Es entstehen Insektenzuchten, die auf kleinstem Raum und bei höchster Energieeffizienz arbeiten. Aber der Reihe nach…

  1. Eine Insektenzucht - wie sieht so etwas eigentlich aus?
  2. Wie funktioniert der Herstellungsprozess?
  3. Womit werden die Insekten gefüttert?
  4. Die Tötung von Insekten - ethisch korrekt?

1. Eine Insektenzucht – wie sieht so etwas aus?

Eine Insektenzucht sieht, einfach gesagt, aus wie ein Gewächshaus. Man benötigt weder viel Platz, noch bestimmte Standortbedingungen. Es macht Sinn, Insekten auch in Europa zu züchten, da so Energie und Emissionen des Transports gespart werden können. Und so sieht eine Insektenfarm von oben aus: 

Die modernste Insektenfarm Europas steht in den Niederlanden 

Hier, in den Niederlanden, wird der Buffalo Wurm gezüchtet. Es wird deshalb so wenig Platz benötigt, weil die Würmer in einer Art „Tablettwagen“ mit übereinander gestapelten Tabletts gezüchtet werden können (s. Foto). Das bedeutet, dass sich eine Fläche von einem Quadratmeter schnell verzehnfacht, wenn man 10 dieser Tabletts übereinanderstellt. Vertical Farming lautet hier der Fachbegriff.

 

Die Buffalo Würmer werden auf Tabletts gezüchtet. Diese lassen sich stapeln und sind so extrem platzsparend.

2. Wie funktioniert der Herstellungsprozess ?

Der Buffalo Wurm wächst rasant. Weil er keine Energie in die Aufrechterhaltung seiner Körpertemperatur stecken muss, kann er sie in sein Wachstum stecken. Innerhalb von 4 Wochen wächst das Tier vom Ei zur gewünschten Größe heran – ganz ohne Kraftfutter oder Hormone. Das effiziente Wachstum sorgt zusätzlich für eine hohe Einsparung an Energie.

Während dieser Zeit leben die Buffalo Würmer in „artgerechter Massentierhaltung“. Das heißt, sie haben es dunkel, wuselig und eng – so wie sie es mögen. Es kommen keinerlei Antibiotika oder Pestizide zum Einsatz. Und: Insekten pupsen nicht. Das heißt, es werden weniger Treibhausgase freigesetzt.

Insekten verursachen 100x weniger Treibhausgasemissionen als Rinder.

Bei der Aufzucht von Insekten ist das Zoonose Risiko – also das Risiko der Übertragung von Krankheiten um ein vielfaches geringer als bei Rindern, Schweinen oder Hühnern. Nach 4 Wochen ist es dann schon so weit. Die Insekten werden zunächst "auf Diät gesetzt", sodass der Verdauungstrakt leer ist, dann werden sie gesäubert, gefriergetrocknet und, je nach Endprodukt, weiterverarbeitet.

3. Womit werden die Insekten gefüttert?

Die Buffalo Würmer werden in Holland mit einer Mischung aus Getreide und Gemüse gefüttert. Teile davon sind Beiprodukte, die aus nahegelegenen Brauereien stammen. In der Zukunft könnten Insekten in den Lebensmittelkreislauf integriert werden, indem sie ausschließlich mit Abfällen aus der Lebensmittelindustrie gefüttert werden. So würden sie nicht mit uns Menschen um wertvolle Lebensmittel konkurrieren, sondern würden unsere „Abfälle“ aufwerten. Bevor dies passiert, sind allerdings noch die Herausforderungen der Hygiene und der Logistik zu lösen.

Aber auch heute gibt es bereits klare Vorteile: Buffalo Würmer benötigen 12x weniger Futter als Rinder für die selbe Menge an Protein. Noch dazu ist alles an ihnen für uns Menschen essbar. Es entstehen keine "Abfälle" -  zum Beispiel aus Knochen oder Haaren.

Selbstverständlich benötigen die Insekten, wie alles Leben auf der Erde, auch Wasser. Jedoch viel weniger davon als jedes andere Nutztier. Insgesamt kommen bei der Herstellung von 1kg Insektenprotein 2.500x weniger Wasser zum Einsatz als bei der Herstellung von 1kg Protein aus Rindfleisch.

4. Die Tötung von Insekten – ethisch korrekt oder nicht?

Wie eingangs bereits erklärt, sind Insekten wechselwarme Tiere. Sie nehmen die Außentemperatur als Körpertemperatur an. Wenn diese unter 21°C fällt, bedeutet das für die Insekten, dass sie in einer Art Winterstarre verfallen. Alle Funktionen des Organismus werden abgeschaltet. In diesem Zustand befinden sich die Buffalo Würmer, wenn sie gesäubert und im Anschluss weiterverarbeitet, z.B. gefriergetrocknet, werden.

Fällt die Körpertemperatur der Insekten auf unter 21 Grad, gehen sie in eine Art Winterstarre.

Wie genau ein Buffalo Wurm diesen Prozess empfindet und ob Insekten generell Schmerz spüren ist unklar. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass das fehlende zentrale Nervensystem das Schmerzempfinden, das wir selbst kennen und das wir auch bei anderen Säugetieren beobachten, unmöglich macht. Jedoch ist nicht abzustreiten, dass auch Insekten eine Form von Empfindungsvermögen haben.[1] Die kognitiven Kapazitäten müssen intensiver untersucht werden, um relevante Schlüsse zu ziehen.

Fakt ist: Egal welche Art von Empfindung der Buffalo Wurm wahrnimmt, die Tötung durch Herunterkühlen erscheint wesentlich angemessener, als die Schlachtung von anderen Nutztieren durch Bolzenschüsse oder Strom.

Prof. Dr. Ritter, Lebensmitteltechnologe und Ernährungswissenschaftler an der FH Münster erklärt, inwiefern die Aufzucht von Insekten aus seiner Sicht ethisch korrekt ist.

"Insekten einzuschläfern ist in der Summe deutlich ethischer als das, was wir mit Säugetieren machen. "

 

  

 

Die Aufzucht von Insekten als Lebensmittel steckt in Europa noch in den Kinderschuhen. Viele Prozesse und Technologien müssen weiterhin erforscht werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Europäische Aufsichtsbehörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie Tierschutzverbände einmischen und mitreden. 

Nur so kann gewährleistet werden, dass diese Art gesunde Lebensmittel zu generieren dauerhaft sinnvoll ist und zur erhofften Lösung für eine drohende Lebensmittelkrise beiträgt.

Wie Du Insekten als Nahrungsquelle nutzen kannst? Integriere sie einfach in Backwaren oder Shakes! Hier findest Du passende Rezepte.

 

Quellen:

[1] Cf. H. Röcklingsberg, C. Gamborg, M. Gjerris, (2017): Ethical issues in insect production. In Insects as Food and Feed: From Production to Consumption, Wageningen Academic Publishers, p. 368-369.

[2] www.protifarm.com